Pille und Antibiotika – was muss man beachten? - Medzino

Pille und Antibiotika – was muss man beachten?

Gibt es Wechselwirkungen, Nebenwirkungen oder eine Wirkverminderung?

Viele Frauen vertrauen bei der Verhütung auf hormonelle Medikamente wie etwa der Antibabypille, die stark in ihren Zyklus eingreifen. Falls bei einer bakteriellen Entzündung zusätzlich Antibiotika verschrieben werden, stellen sich die betroffenen Frauen natürlich die Frage: kann ich diese Medikamente kombinieren und was muss ich dabei beachten? Finden Sie hier die Antwort!
 

Wie wirken Pille und Antibiotika?

Sowohl die Pille wie auch Antibiotika sind Medikamente, die Ihren Körper unterschiedlich beeinflussen. Erfahren Sie hier, wie diese Medikamente wirken.

Die Antibabypille besteht meist aus zwei verschiedenen weiblichen Sexualhormonen, einem Östrogen und einem Gestagen. Dabei können diese Hormone in unterschiedlicher Dosierung vorliegen. Das Gestagen sorgt dafür, dass der Transport der Spermien erschwert wird, und sie dadurch nicht zur Gebärmutter gelangen können. Außerdem wird das Wachstum der schwangerschaftsvorbereitenden Gebärmutterschleimhaut erschwert. Das Östrogen verhindert primär die Reifung des Eis im Eierstock. Zudem werden die Hormone gehemmt, welche den Eisprung auslösen. Durch diese Kombination wird eine Schwangerschaft zuverlässig verhindert. Es gibt auch Antibabypillen, welche lediglich ein Gestagen und kein Östrogen enthalten. Diese bezeichnet man als Minipillen.

Antibiotika bekämpfen Bakterien. Dies geschieht, indem sie in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen und ihre Eiweißproduktion erschweren. Durch diese fehlenden Proteine können die Bakterien nicht überleben und sterben letztlich ab. Sie werden durch denselben Prozess auch an der Vermehrung gehindert.
 

Was muss ich nun bei der gleichzeitigen Einnahme beachten?

Vielleicht haben Sie schon einmal davon gehört, dass Antibiotika die Wirksamkeit der Pille herabsetzen können. Dabei gehen die Meinungen der Experten auseinander, ob dies tatsächlich der Fall ist.

Einig sind sich die meisten Experten jedoch darin, dass es wohl auf Sorte Antibiotika ankommt. Gewisse Antibiotika können die Wirksamkeit der Pille tatsächlich negativ beeinflussen. Dazu gehören insbesondere die Wirkstoffe Rifampicin sowie Rifambutin. Beide dieser Stoffe erhöhen die Anzahl der Enzyme im Körper, welche Östrogen und Gestagen abbauen. Dadurch wird die Konzentration dieser Hormone im Körper reduziert und der empfängnisverhütende Schutz ist nicht mehr vollständig gegeben.

Zudem können Wirkstoffe wie Rifampicin und Rifambutin allenfalls die Aufnahme von Östrogen erschweren. Denn diese Antibiotika greifen auch körpereigene Bakterien an, welche für die Aufnahme von Östrogen verantwortlich sind. Dadurch gelangt nicht ausreichend Östrogen in den Blutkreislauf und das Hormon kann seine Wirkung nur unzureichend entfalten. Manche Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Beweislage für diese Interaktionen relativ dünn sei. Angeblich können nicht viele Studien belegen, dass Rifampicin und Rifambutin die Aufnahme von Östrogen entscheidend einschränken. Gemäß dieser Fachleute reicht die aktuelle Datenlage nicht aus, um ungewollte Schwangerschaften mit der gleichzeitigen Einnahme von Antibabypille und Antibiotika in Verbindung zu bringen. Es gebe schlicht zu viele Pillen- und Antibiotikasorten, um ein abschließendes Urteil zu fällen.

Ein Punkt, wobei sich Experten einig sind, ist dass die Nebenwirkungen von Antibiotika die Wirksamkeit der Pille herabsetzen können. Antibiotika greifen oftmals auch die natürlich im Darm vorkommenden Bakterien an, weshalb es bei der Therapie mit Antibiotika bei vielen Menschen zu Nebenwirkungen wie Durchfall oder Erbrechen kommen kann. Falls Durchfall oder Erbrechen innerhalb der ersten vier Stunden nach der Einnahme der Pille eintreten, wird das Medikament ausgeschieden, ohne vollständig verarbeitet zu sein. Daher ist der verhütende Schutz nicht mehr gegeben.
 

Was tun im Zweifelsfall?

Wenn sich Experten in solchen Fragen nicht einig sind, kann das für Laien sehr frustrierend sein. Die Mehrheit der Fachleute weist jedoch daraufhin, dass manche Antibiotika die Wirksamkeit der Pille direkt herabsetzen können. Zudem ist es unbestritten, dass die Nebenwirkungen von Antibiotika die Wirkung der Pille negativ beeinflussen können.

Aus diesen Gründen ist es daher ratsam, zusätzlich ein Kondom zu verwenden, falls Sie während der Therapie mit Antibiotika Geschlechtsverkehr haben. Dies verleiht Ihnen einen zusätzlichen Verhütungsschutz. Sie können sich auch stets bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über die genaue Zusammensetzung der Ihnen verschriebenen Antibiotika und Pille informieren. Er oder sie wird Sie auch über mögliche Wechselwirkungen informieren können.

Beachten Sie, dass die Wirksamkeit der Pille während der gesamten Einnahmezeit der Antibiotika reduziert sein kann. Selbst in den ersten Tagen nach der Beendigung der Therapie ist die Wirkung noch nicht vollständig wiederhergestellt, da die Wirkstoffe erst ganz aus dem Körper ausgeschieden werden müssen.