Mikropenis - ab welcher Größe spricht man davon? - Medzino

Mikropenis

Ab welcher Größe spricht man davon?

Für die meisten Männer ist die Penislänge ein viel diskutiertes Thema. Als Sinnbild für die männliche Potenz ist der Wunsch nach einem größeren Genital weit verbreitet. Diese subjektiven Unzufriedenheiten lassen sich jedoch nur selten in die Kategorie des Mikropenis einordnen. 

In manchen Fällen sorgt ein hormonelles Ungleichgewicht nämlich für eine objektive Unterentwicklung des Penis. Ist diese nicht krankheitsbedingt, besteht keine medizinische Sorge. Der psychische Leidensdruck Betroffener ist jedoch oftmals sehr hoch. Ein geringes Selbstwertgefühl kann dabei oft die Folge sein.

Wie Sie einen Mikropenis diagnostizieren können und wie er therapiert werden kann, erfahren Sie hier.  

 

Was ist ein Mikropenis?

Von einem Mikropenis ist dann zu sprechen, wenn die Penislänge im erigierten Zustand weniger als 7 cm beträgt. Dies gilt jedoch nur für erwachsene Männer. Sollten Jugendliche im Verdacht stehen, einen zu kleinen Penis zu haben, bemisst sich der Grenzwert an zweieinhalb Standardabweichungen unterhalb des alterstypischen Mittelwertes. Die Penislänge bemisst sich dabei von der Penisspitze zur Schambeinfuge. Messen Sie dabei stets die Seite des Penis, die im nicht-erigierten Zustand nach oben zeigt. 

Der Mikropenis sollte jedoch von dem “buried penis” unterschieden werden. Der sogenannte vergrabene Penis liegt dann vor, wenn Männer unter Übergewicht leiden und das Bauchfettgewebe im Bereich des Schamhügels den Penis optisch begräbt. Die tatsächliche Penislänge liegt dabei jedoch über dem Grenzwert.  

 

Wie viele Männer sind betroffen?

Insgesamt leiden lediglich zwei Prozent der männlichen Bevölkerung unter einem Mikropenis. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Dunkelziffer etwas höher ausfällt, da viele Männer den Gang zum Arzt scheuen. In den meisten Fällen ist die Einschätzung der eigenen Penislänge jedoch sehr subjektiv. Bei den wenigsten Männern, die in der Arztpraxis über einen zu kleinen Penis klagen, wird aus medizinischer Sicht ein Mikropenis diagnostiziert. 
 

Was sind die Ursachen eines Mikropenis?

Die häufigste Ursache eines Mikropenis ist eine Unterfunktion des Hypothalamus im Zwischenhirn. Der Hypothalamus ist für die Stimulation der Hodenfunktion verantwortlich. Werden diese nicht ausreichend aktiviert, kommt es zu einer zu geringen Produktion von Testosteron, die sich negativ auf die Penislänge auswirkt. Zumeist wird dies jedoch schon bei Neugeborenen festgestellt. 

Am zweithäufigsten verantwortlich für einen Mikropenis ist die direkte Unterfunktion der Hoden. Diese Diagnose wird häufig bei Pubertierenden festgestellt, die mit normalem Penis zur Welt kommen und im Laufe ihres Lebens durch eine Unterproduktion von Testosteron unter einem Wachstumsstopp des Penis zu leiden haben. 

Lassen sich keine Auffälligkeiten bei der Testosteronproduktion feststellen, kann ein Problem bei der Weiterverarbeitung dieses Hormons bestehen. Bei der sogenannten Androgenresistenz fehlen dem Körper geeignete Rezeptoren, die das Testosteron effektiv weiterverarbeiten können. In wenigen Fällen lässt sich jedoch keine medizinische Erklärung für den Mikropenis finden.
 

Welche Einschränkungen sind mit dem Mikropenis verbunden?

Grundsätzlich stellt der Mikropenis erst einmal keine gesundheitliche Einschränkung dar. Für viele Betroffene ist jedoch der Leidensdruck sehr hoch. Selbstzweifel können die Psyche und das Sexualleben nachhaltig beeinträchtigen. In Einzelfällen kann es jedoch zu Einschränkungen bei der sexuellen Aktivität kommen. Insbesondere Jugendliche sind außerdem oft der Hänselei Gleichaltriger ausgesetzt.

Inwiefern ein Mikropenis die Zeugungsfähigkeit einschränkt, kommt auf die Grunderkrankung Betroffener an. Ein nicht krankheitsbedingter Mikropenis steht einem Kinderwunsch grundsätzlich nicht im Wege.
 

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Bei der Therapie eines Mikropenis kommt es maßgeblich darauf an, in welchem Alter er festgestellt wird. Stellt ein Arzt die Diagnose noch vor Einsetzen der Pubertät, kann eine Hormontherapie äußerst effektiv sein. Die Verabreichung von Testosteronspritzen in die Penismuskulatur sorgt zumeist für eine deutliche Vergrößerung des Penis.

Wird ein Mikropenis erst nach der Pubertät festgestellt und ist der Leidensdruck besonders hoch, kann eine operative Penisverlängerung vorgenommen werden. Dabei werden einige sogenannte Penishaltebänder entfernt, sodass der im Körperinneren verborgene Teil des Genitals zum Vorschein kommen kann. Dadurch wird eine optische Verlängerung des Penis erzielt. 

Wer sich keiner Operation unterziehen möchte, kann auf kleinere, weniger endgültige, Hilfsmittel zurückgreifen. Vor dem Geschlechtsverkehr können Betroffene beispielsweise von einer Penispumpe Gebrauch machen. Durch die Erzeugung von Unterdruck kann die Erektion durch dieses Hilfsmittel deutlich verbessert werden. Dies geht auch mit einer optischen Verlängerung der Penisgröße einher. Um einen Blutstau und andere Nebenwirkungen jedoch zu vermeiden, sollte stets auf die Qualität der Penispumpe geachtet werden. 

 

Quellen

Jeremy Wiygul and Lane S. Palmer, “Micropenis,” TheScientificWorldJournal, 11, 2011. 1462-1469.  

Urban & Vogel. "Therapieoptionen für Männer mit zu kleinem Penis: Interview mit Prof. Frank Sommer." Uro-News, 18, 2014. 22-23.