Zu früh kommen - wenn Sex nicht befriedigend ist - Medzino

Zu früh kommen - wenn Sex nicht befriedigend ist

Fragen & Antworten

Beim Sex zu früh zu kommen, kann Psyche und Sexualleben stark belasten. Viele Männer, die unter sogenanntem “Ejaculatio Praecox” leiden, verspüren oft einen großen Druck gegenüber ihrem Partner. In den meisten Fällen können jedoch Gesprächstherapien oder Verhaltenstrainings direkte Abhilfe schaffen. Um eine krankheitsbedingte Ursache ausschließen zu können, sollten Sie dennoch stets Kontakt zu einem Urologen oder Allgemeinmediziner aufnehmen.

 

Was bedeutet es, “zu früh zu kommen”?
 

Zu frühes Kommen zeichnet sich durch einen vorzeitigen Samenerguss des Mannes während des Geschlechtsverkehrs aus. In der Folge kommt es zumeist dazu, dass Sexualpartner den Geschlechtsverkehr als unbefriedigend empfinden. Es handelt sich dabei um eine Sexualstörung, die damit verbunden ist, die Kontrolle über die eigene Ejakulation zu verlieren. In vielen Fällen ist dies mit großem Leidensdruck verbunden. Wann eine Ejakulation vorzeitig ist, lässt sich jedoch schwer definieren. Je nach sexuellen Vorlieben können die Ansprüche an den Geschlechtsverkehr sehr unterschiedlich ausfallen.   

 

Wie kommt es zu einer vorzeitigen Ejakulation?
 

Bei der sogenannten “Ejaculatio praecox”, dem medizinischen Begriff für die vorzeitige Ejakulation, muss unterschieden werden, ob Betroffene schon immer oder erst kürzlich vorzeitig zum Höhepunkt kommen. Männer, die erst seit Kurzem mit dieser Problematik zu kämpfen haben, sollten deshalb ihre Lebensumstände betrachten. Oftmals sind dabei eine neue Partnerin, Stress im Alltag oder lange sexuelle Abstinenz Auslöser für unbefriedigenden Sex. Wird der Geschlechtsverkehr jedoch über einen größeren Zeitraum hinweg durch vorzeitiges Kommen beeinträchtigt, kann dies körperliche Ursachen haben. Zumeist liegt bei Betroffenen ein hormonelles Ungleichgewicht vor, das die Kontrolle über die Ejakulation erschwert. Vor allem der Botenstoff Serotonin spielt für das Sexualempfinden eine große Rolle. Neben der Regulierung des Appetits, Erinnerungsvermögens und der Muskelbewegungen, kontrolliert Serotonin insbesondere das Ejakulationsvermögen des Mannes. Hormonelles Ungleichgewicht ist deshalb oft die Ursache einer vorzeitigen Ejakulation. In manchen Fällen kann zu frühes Kommen jedoch auch medizinische Ursachen haben. Schilddrüsenerkrankungen, Prostata-Entzündungen und erektile Dysfunktion sind oft für die Beeinträchtigung des Ejakulationsvermögens verantwortlich. Um diese Krankheiten in Ihrem Fall auszuschließen, sollten Sie einen Urologen oder Allgemeinmediziner aufsuchen.

 

Ab wann spricht der Arzt von einer vorzeitigen Ejakulation?
 

Zu frühes Kommen zu diagnostizieren, gestaltet sich oftmals sehr schwierig. Ob befriedigender Geschlechtsverkehr für beide Sexualpartner möglich ist, hängt von individuellen Vorlieben ab und ist deshalb nur schwer zu verallgemeinern.  

Eine Möglichkeit der Diagnosestellung stellt jedoch das Messen der intravaginalen Ejakulationszeit dar. Bei der sogenannten IELT handelt es sich um die Zeitspanne zwischen dem Eindringen des Penis und der Ejakulation. Im Durchschnitt erfolgt diese rund fünf Minuten nach dem Eindringen in die Vagina. Beträgt die IELT weniger als eine Minute, kann man von einer vorzeitigen Ejakulation sprechen. Es sollte jedoch beachtet werden, dass die intravaginale Ejakulationszeit je nach Situation und Vorliebe stark variieren kann. Bei der Diagnose sollte deshalb berücksichtigt werden, ob eine vorübergehende vorzeitige Ejakulation vielleicht durch äußere Umstände erklärbar ist.

 

Wer ist betroffen?
 

Vorzeitiges ejakulieren ist keine Seltenheit unter Männern. Mit 20-25 Prozent gehört die sogenannte “Ejaculatio praecox” zu einer der häufigsten Sexualstörungen des Mannes. Da viele Männer jedoch den Arztbesuch scheuen, kann davon ausgegangen werden, dass wesentlich mehr Männer unter dem Kontrollverlust über die eigene Ejakulation leiden.  

 

Wie kann man vorzeitiges Kommen verhindern?
 

Bei der Behandlung dieser Sexualstörung ist es besonders wichtig, die Ursachen zu kennen. In den meisten Fällen ist vor allem eine Verhaltenstherapie ratsam. Wenn Leistungsdruck und Versagensängste die vorzeitige Ejakulations auslösen, kann eine Paartherapie hilfreich sein. Eine Gesprächstherapie hilft dabei, Erwartungen anzugleichen, den Druck zu lindern und langfristig ein befriedigendes Sexualleben zu ermöglichen. Es gibt jedoch auch Trainingsmethoden, den Höhepunkt gezielt hinauszuzögern. Mit der “Start-Stopp-Taktik" können Männer bei der Selbstbefriedigung üben, den Höhepunkt bis zu 15 Minuten zurückzuhalten. Dabei sollten Sie jedes Mal das Masturbieren unterbrechen, wenn Sie das Gefühl haben, zum Höhepunkt zu kommen. Mit dieser Technik soll das Gefühl für die eigene Stimulation und die Kontrolle über die Ejakulation verbessert werden. Bei der sogenannten “Squeeze-Technik” hingegen wird der Höhepunkt durch drei- bis zehnminütiges Zusammenpressen der Eichel hinausgezögert.  

Vorzeitiges Ejakulieren kann jedoch auch medikamentös behandelt werden. Betäubende Cremes mit den Inhaltsstoffen Lidocain sowie Prilocain können auf die Eichel aufgetragen werden und die Empfindsamkeit des Penis reduzieren. Ein Urologe kann Ihnen außerdem ein Medikament mit dem Inhaltsstoff Dapoxetin verschreiben. Dieses wird zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen und ermöglicht durch die Regulierung des Serotonin-Haushalts eine verbesserte Kontrolle Ihrer Ejakulation. In jedem Fall sollten mögliche Nebenwirkungen jedoch mit einem Urologen oder Ihrem Hausarzt abgesprochen werden.

 

Quellen

Kockott, Götz, and E-M. Fahrner-Tutsek. "Ejakulationskontrolle." Verhaltenstherapiemanual. Springer, Berlin, Heidelberg, 2015. 101-103.

Porst, H. "Der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox)." Der Urologe 48.6, 2009. 663-674

Sommer, Frank, Michael J. Mathers, and Joanna Beate Korda. "Weit verbreitet, oft verschwiegen." Uro-News 13.11, 2009. 18-24.