Trockener Orgasmus – was ist das? - Medzino

Trockener Orgasmus

Was ist das?

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an den Orgasmus eines Mannes denken? Die meisten bringen den männlichen Orgasmus wahrscheinlich mit dem Samenerguss in Verbindung. In Ihrem Kopf ist der männliche Orgasmus bestimmt alles andere als trocken - wohl eher feucht, nass und glitschig. Doch dies ist ein Irrtum! Männer können durchaus einen Orgasmus ohne sichtbaren Samenerguss erleben. Ein Orgasmus ohne Ejakulation wird oft auch als trockener Orgasmus bezeichnet. 
 

Ist der trockene Orgasmus eine sexuelle Funktionsstörung?

Ja, so lange der trockene Orgasmus nicht absichtlich herbeigeführt wurde. Die wohl bekannteste und auch häufigste sexuelle Funktionsstörung ist die frühzeitige Ejakulation, auch Ejaculatio praecox genannt. Weniger bekannt sind die Anejakulation sowie die retrograde Ejakulation, beide auch unter dem trockenen Orgasmus bekannt. Nicht nur bei der Anejakulation, sondern auch bei der sogenannten retrograden Ejakulation bleibt ein sichtbarer Samenerguss aus. Die beiden sexuellen Funktionsstörungen sind allerdings voneinander zu unterscheiden. Bei der totalen Anejakulation kommt es zu einem völligen Ausbleiben der Ejakulation, während sich bei einer retrograden Ejakulation der Samen nicht nach außen, sondern nach innen in die Harnblase entleert. Ganz wichtig ist, dass bei beiden Funktionsstörungen der Orgasmus nicht ausbleibt, da Ejakulation und Orgasmus zwei verschiedene Mechanismen sind. Anhand einer Urinprobe kann eine retrograde Ejakulation nachgewiesen werden. Viele führen einen trockenen Orgasmus auch absichtlich herbei, sodass dann nicht von einer sexuellen Funktionsstörung gesprochen werden kann. Doch warum? Durch einen Orgasmus ohne Ejakulation ist es dem Mann möglich, mehrere Orgasmen, sogenannte Multiorgasmen, zu erfahren.
 

Was ist anders als bei einem „normalen Orgasmus“?

Ein Orgasmus kann in vier Phasen, die nacheinander ablaufen, unterteilt werden: Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmusphase und Rückbildungsphase. In der Erregungsphase wird der Penis durch den vermehrten Blutfluss steif. In der Plateauphase schließt sich der Harnröhrenschließmuskel zur Blase, sodass kein Urin austreten kann und infolgedessen die Samenflüssigkeit angestaut wird. In der Orgasmusphase kommt es zu stoßartigen Kontraktionen im Beckenbodenbereich. Im Regelfall wird dadurch das angestaute Sperma regelrecht nach draußen gepresst. In der anschließenden Rückbildungsphase beruhigen sich Puls und Atmung, sodass das Blut aus dem Penis zurückströmt und die Erektion nachlässt. Logischerweise ist daher bei einer retrograden Ejakulation der Schließmuskel nicht mehr voll funktionsfähig oder beschädigt, sodass das Sperma in die Harnblase ausweichen kann. Bei einer totalen Anejakulation bleiben die unwillkürlichen Muskelkontraktionen der Geschlechtsorgane während der Orgasmusphase aus, welche sonst dazu führen, dass das Sperma herausgeschleudert wird.
 

Wie kommt es zu einem trockenen Orgasmus?

Wie bei den meisten sexuellen Störungen, können auch für die Ejakulationsstörungen physische, psychische oder medikamentöse Ursachen vorliegen. Häufige Ursachen einer Anejakulation sind operative Eingriffe, wie zum Beispiel die retroperitoneale Lymphknotendissektion (RLND), die Einnahme von Medikamenten (z.B. Antidepressiva) oder ein Verschluss der ejakulatorischen Wege. Es ist wichtig, dass anhand bildgebender Verfahren (CT oder MR) tumorbedingte Auswirkungen abgeklärt werden. Erkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes mellitus oder Rückenmarksverletzungen, können sowohl zu einer Anejakulation als auch retrograden Ejakulation führen. Für die retrograde Ejakulation sind Beeinträchtigungen des Blasenschließmuskels durch operative Eingriffe, wie zum Beispiel durch die Entfernung der Prostata durch die Harnröhre, oft ursächlich. Psychische Ursachen, wie zum Beispiel Stress, müssen bei beiden Funktionsstörungen unbedingt berücksichtigt werden.